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solide recherchiert, entschieden formuliert - Fakten für eine emotional geführte Diskussion
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Die Einschätzung "Wenn das Kind erst mal da ist, wirst du es auch lieb haben" oder "Fast alle Frauen leiden nach einer Abtreibung seelisch jahrelang an den Folgen" haben wir oft gehört und nur selten begründet bekommen. Maja Langsdorff führt zunächst auf, wie in Geschichte und Gegenwart die Einstellung zu Familienplanung und Verhütung von Machtinteressen geprägt wurde und davon, was die Herrschenden gerade für "lebenswertes Leben" hielten. Die Autorin geht von der Annahme aus, dass die Einschätzung der seelischen Folgen von Schwangerschafts-Abbrüchen durch Ärzte und Therapeuten durch die kleine Gruppe der ihnen bekannten Patientinnen geprägt sei und nicht durch einen repräsentativen Querschnitt aller Frauen. Denn nach einer Abtreibung würden nur die Frauen Beratung oder Behandlung suchen, die Probleme mit der Bewältigung hätten. Sehr realistisch, ausführlich und ausgewogen beschreibt Langsdorff, wie es bei manchen Frauen auch wiederholt, zu einer ungeplanten Schwangerschaft gekommen ist, wie sich die Einstellung des männlichen Partners auf die Entscheidung der Frau auswirkt und was unter einem Schwangerschafts-Konflikt zu verstehen ist. Sie unterscheidet zwischen Frauen, die grundsätzlich kein Kind wollen und Schwangeren, die sich Kinder wünschen, denen die Verwirklichung ihres Kinderwunsches in ihrer Situation jedoch unmöglich erscheint. Am Beispiel der Bevölkerungsentwicklung in den östlichen Bundesländern direkt nach der Wiedervereinigung 1989 weist die Autorin nach, wie sich Existenz- und Zukunftsängste direkt auf die Zahl der geborenen Kinder und die Zahl der Sterilisationen ausgewirkt haben. Langsdorff beschreibt Männer und Frauen im Schwangerschaftskonflikt mit ambivalenter Einstellung zu ihrer Beziehung und - wohl auch deshalb - zu Kindern. Kritisch berichtet sie über die widersprüchliche Bewertung des Einsatzes von RU 486 zum Schwangerschaftsabbruch. Sie definiert, was unter einer neutralen, wertschätzenden Schwangerenberatung zu verstehen ist, lässt eine Beraterin von ihrer Tätigkeit erzählen, beschreibt eine Selbsthilfegruppe für Betroffene und führt Erfahrungsberichte verschiedener Frauen auf. Umfassend geht die Autorin auch auf die Forderung ein, unerwünschte Kinder zur Adoption freizugeben. Langsorff stellt die Lage der "abgebenden Mutter" mit Einfühlungsvermögen dar und weist auf die Spätfolgen für das adoptierte Kind hin. Ein Beraterin von Pro Familia Köln berichtet wie türkische Frauen zur Abtreibung stehen. Das Kapitel Verhütung und Abtreibung in der Geschichte reicht zeitlich bis zur Einführung der Fristenlösung in der Bundesrepublik. Leider lagen beim Erscheinen des Buches noch kaum Untersuchungen über ungeplante Teenager-Schwangerschaften in Deutschland vor. Die Autorin vertritt eine entschiedene Einstellung: Sie hält es bevölkerungspolitisch für sinnlos und ethisch nicht für vertretbar, Frauen Schuldgefühle einzureden, die einen Schwangerschafts-Abbruch planen oder früher eine Abtreibung vornehmen ließen. Langsdorff hat die relevanten empirischen Daten zusammengestellt, ausgewertet und analysiert. Das kurze Kapitel Verhütung ist nicht mehr aktuell. Die im Literaturverzeichnis aufgeführten Titel stammen aus der Zeit bis 1992.
Diskussionen über Schwangerschaftsabbruch werden häufig emotional, unversöhnlich und oft ohne stichhaltige Fakten geführt. Langsdorffs Buch bietet diese Fakten. Es ist für interessierte Frauen geeignet, für Beraterinnen, die sich in das Thema Schwangerschafts-Konfliktberatung einlesen wollen, und als Quelle für Referate zum Thema.
Eine Rezension von Buchdoktor
vom 3. Februar 2007 | | |
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